Wann und wie trauern Kinder?

Das Todesverständnis entwickelt sich in verschiedenen Lebensphasen, ist individuell unterschiedlich und wird durch viele verschiedene Faktoren beeinflusst. Trotzdem kann man einige alterstypische Stadien der kindlichen Trauer erfassen, ehe das Todesverständnis und damit die Trauerreaktion mit der von Erwachsenen nahezu identisch ist.

Säuglinge bis zum 8. Monat

Säuglinge können ihre Mutter vermutlich nicht eindeutig identifizieren, sie anhand des Geruchs aber durchaus von Fremden abgrenzen. Der Tod der Mutter wird wahrscheinlich als Abwesenheit wahrgenommen. Neue Gerüche und Stimmen führen zum Empfinden von Unbehagen, das sich durch Weinen, Protest und Reizbarkeit oder Änderungen im Ess- und Schlafverhalten äußern kann.

Kleinkinder bis zum 2. Lebensjahr

Verlassen zu werden ist die zentrale Angst. Da es kein Zeitempfinden gibt, kann auch eine vorübergehende Abwesenheit starke Reaktionen hervorrufen. Der Tod ist dann natürlich das Extrem des Verlassenwerdens.

Zwei- bis Fünfjährige

Der Tod wird meist als umkehrbar verstanden. Die Vorstellung eines Schlafes ist verbreitet. Möglicherweise essen die Verstorbenen auch weiterhin und erscheinen eines Tages wieder. Sollte das Verständnis der Unumkehrbarkeit eintreten, werden oft die Gefühle nicht nach außen gezeigt, jedoch im Spiel umgesetzt. Es herrscht ein „magisches Denken“: Die Kinder glauben einerseits, das ein Handeln von ihnen zum Tod geführt hat und versprechen sich andererseits, dass sie, wenn sie z.B. nun besonders brav sind den Verstorbenen aufwecken.

Sechs- bis Neunjährige

Der Tod wird als endgültig verstanden. Trauerschmerz, Sehnsucht, Deprimiertsein, Schuldgefühle, Angst können empfunden, aber auch verborgen, verleugnet oder verdrängt werden. Oft werden ängstliche und schmerzliche Gefühle durch Aggressivität und Aufsässigkeit überlagert. Obwohl das Magische Denken im Alltag dieses Entwicklungsstadiums keine Rolle mehr spielt, tritt es in Krisensituationen wie einem Todesfall wieder auf. Es verstärkt sich dann sogar dahingehend, da der Tod oft in seiner Universalität verstanden wird und die Kinder somit Angst vor weiteren Verlusten haben.

Zehn- bis Zwölfjährige

Das Todesverständnis ähnelt dem eines Erwachsenen nun immer stärker. Die Kinder verstehen die Auswirkungen auf das Familiengefüge, den Alltag und sich selbst. Kinder machen sich Vorstellungen über ein Jenseits, aber auch darüber, dass auch andere und sie selbst einst sterben werden.
Es kommt oftmals zu bewusster Unterdrückung oder unbewusster Verdrängung, um sich nicht mit den schmerzlichen Gefühlen befassen zu müssen. Trauergefühle werden oft als Schwäche wahrgenommen, weshalb sie nicht gezeigt werden und die Kinder apathisch wirken. Scheinbar unbedeutende Ereignisse können jedoch dazu führen, dass Trauerreaktionen auftreten.

Jugendliche

Die Zeit der Pubertät ist ohnehin von zahlreichen Gefühlen und Veränderungen geprägt, daher wirken sich Trauerreaktionen hier potentiell besonders stark aus. Häufiges Streiten mit der Famile und Ablösen von den Eltern birgt das Risiko, dass manches unerledigt und zwischen den Hinterbliebenen und dem Verstorbenen stehen bleibt. Starke Schuldgefühle sowie Gefühle der Sinn- und Hoffnungslosigkeit, die möglicherweise bereits bestanden, sind nun von besonderer Intensität.

Diese Darstellung ist selbstverständlich einzuschränken. Die Erziehung, die Kultur und besonders der Umgang in der konkreten Situation haben einen starken Einfluss auf die Trauer von Menschen.
Daher ist zu sagen, dass Kinder unbedingt in der Zeit der Trauer unterstützt werden sollten - durch Eltern oder wichtige Bezugspersonen und sollte dies nicht reichen, oder niemand dazu in der Lage sein, durch professionelle Hilfe.
Kinder sollten in jedem Fall schnell und ehrlich, jedoch altersgerecht über den Tod und ggf. vorangegangene Erkrankungen oder einen Unfall informiert werden. Formulierungen wie „Schlafen“, „letzte Reise“ oder „ist im Himmel“ sorgen für Verwirrung, fördern die Verleugnung und sind somit unbedingt zu unterlassen. Das Thema sollte mit Begriffen wie „Tod“ und „Sterben“ besprochen werden. Kinder sollten sich verabschieden können, nach Möglichkeit bereits bei einer Erkrankung vorab, wenn die Zeit es ermöglicht, am Sterbebett. Später ist den Kindern auf jeden Fall eine Verabschiedung vom Verstorbenen am Sarg anzubieten. Die Bedenken und Ängste von Erwachsenen liegen bei Kindern nicht vor und sie gehen unbedarft „an die Sache“ heran. Kinder sollen neutral informiert werden, was sie erwartet und ihre Entscheidung dann selber treffen. Die Teilnahme an der Trauerfeier und Beisetzung ist allgemein hin sehr wichtig und förderlich für den Trauerprozess.

Kinder sollen ihre Gefühle zeigen dürfen und nicht sofort gemaßregelt werden. Es ist nicht ungewöhnlich, dass sie nach einem sehr traurigen Moment sofort wieder spielen. Ein Herumlaufen bei der Trauerfeier darf sein! Beschimpfungen, das Vergessen von Pflichten (wie Hausaufgaben) müssen natürlich irgendwann thematisiert werden.
Die eigenen Gefühle sollten dem Kind gezeigt werden; keinem ist geholfen, wenn die Erwachsenen künstlich stark wirken wollen. Kinder lernen auch, indem sie das Verhalten anderer sehen und erkennen.
Es soll über den Verstorbenen gesprochen werden. Kreativität wie das Malen von Bildern oder das Schreiben von Briefen ist hilfreich. Ein Fotoalbum kann angelegt werden.
Insgesamt helfen feste Strukturen im Alltag, aber auch ein wöchentlicher Gang zum Grab oder andere Rituale.

Aufgaben die der Verstorbene hatte, z.B. das Fahren zum Sport, die Hilfe bei Hausaufgaben, das Schmieren des Pausenbrotes und vieles mehr, müssen übernommen werden und nach und nach an die Kinder selber abgegeben werden.
Der Verstorbene wird idealisiert, schlechte Erfahrungen und Eigenschaften werden verdrängt und nicht mehr wahrgenommen. Kinder identifizieren sich und übernehmen Eigenschaften und Aufgaben des Verstorbenen. Beides sollte zugelassen werden, mindert sich mit der Zeit jedoch wieder, was ebenfalls zugelassen werden muss.

Etwa nach sechs Monaten kann man damit rechnen, dass ein Gedenken an den Verstorbenen sich nach und nach aufhellt und Gefühle der Dankbarkeit und Freude nach und nach überwiegen.

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