Trauerarbeit

Trauern ist kein passiver Prozess, sondern setzt aktives psychisches Handeln voraus.

Zu trauern ist unter Umständen sehr harte Arbeit, die geleistet werden muss, damit Trauer gelingt. Ein Trauernder ist von tiefem Schmerz zunächst überwältigt, zieht sein Interesse von der Außenwelt ab und ist in seinem Leistungsvermögen eingeschränkt. Möglicherweise kann er seinen gewohnten Tätigkeiten und Interessen nicht nachgehen. Neue Beziehungen zu knüpfen ist geraume Zeit nicht möglich.
Die Aufgabe des Trauernden besteht darin, seine ständige Aufmerksamkeit von dem Verlorenen zu lösen. Ziel der Trauerarbeit ist es, die Verbindung zum Verstorbenen zu ändern, jedoch nicht sie zu lösen. Die Beziehung zum Verstorbenen bleibt immer bestehen: Es ist ein Vorgang des Neuaufbaus und der Weiterführung einer anderen Art der Beziehung, somit endet Trauer gewissermaßen nie.

„Man weiß, dass die akute Trauer nach einem solchen Verlust ablaufen wird, aber man wird ungetröstet bleiben, nie einen Ersatz finden. Alles, was an die Stelle rückt, und wenn es sie auch ganz ausfüllen sollte, bleibt doch etwas anderes. Und eigentlich ist es recht so. Es ist die einzige Art, die Liebe fortzusetzen, die man ja nicht aufgeben will.“ (S. Freud)

 

Die Bindungstheorie besagt, dass alle Menschen von starken Gefühlen getragene Beziehungen zu anderen Menschen herstellen. Sie macht daher die Gefühlsreaktionen verständlich, die immer dann eintreten, wenn eine Bindung gefährdet oder zerbrochen ist. Bindungsverhalten ist grundsätzlich normal - sowohl für Kinder wie auch für Erwachsene.

Die Intensität der Reaktionen ist stärker, desto tiefer und bedeutsamer die Bindung war.

Verlieren wir einen geliebten Menschen, spüren wir, wie sehr unser Glück von unseren Mitmenschen abhängig ist. Es ist eine Fülle von Bindungen entstanden: Beispielsweise sind Ehepartner auch Gesprächspartner, (Spiel-)Kameraden, Freunde und Geliebte. Sie teilen Hobbies und Interessen, haben gemeinsame Freunde, unterstützen einander in schweren Zeiten, streiten und vertragen sich wieder. Stirbt einer von beiden, gehen Bindungen und Gefühle ins Leere bzw. bleiben unbeantwortet.
Das Selbst- und Weltverständnis, das an Beziehung und Bindung orientiert war, ist entwurzelt. Der Trauernde spürt nun, wie sehr seine Impulse auf den anderen Menschen ausgerichtet waren. Die Aufgabe besteht nun darin, die Bindungen zurückzunehmen; das Beziehungs- oder Bindungsselbst muss sich zu seinem individuellen Selbst zurück entwickeln.

Trauer erfasst den Menschen in all seinen Dimensionen: körperlich, gefühlsmäßig, verhaltensbezogen und das Denken betreffend. Keine dieser Dimensionen ist als krankhafte Trauer zu werten, jedoch können alle durch Intensität oder Dauer zu einer pathologischen Trauer werden.

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